Dieses Thema ist für mich mit Beginn meiner ersten Schwangerschaft ein wahres Herzensthema geworden. Ich ahnte nicht, dass mich die Themen um Schwangerschaft, Geburt und Eltern SEIN so sehr packen werden, bis sie in mein Leben einzogen. Und so spüre ich einen deutlichen Ruf diese Themen aus meiner Sicht und meinen Weg mit anderen Menschen zu teilen.
Vertrauen bedeutet für mich Liebe, Offenheit und das Gefühl von Sicherheit. Ihr Gegenüber steht Angst, Abwendung, Verschlossenheit und die Unsicherheit.. Mangelndes Vertrauen bedeutet, so glaube ich, letztlich die Abtrennung von unserem Wesenskern, von unserer Göttlichkeit, dem Gefühl und der Verbundenheit EINS mit allem um uns herum zu SEIN. Wenn wir uns ungetragen, unsicher und hilflos fühlen, dominiert die Angst in uns. Ich glaube, das ist etwas, worin sich jeder von uns – in der ein oder anderen Situation – schon einmal gesehen hat. Doch nur weil es etwas allgegenwärtiges ist, bedeutet es nicht, dass es „normal“ ist. …mit normal meine ich natürlich.
Ich finde es gleichzeitig faszinierend und verrückt, wie Widersprüchlich unser Geist von Situation zu Situation mit Vertauen und Angst umgeht. In manchen Situationen habe ich sehr viel Vertrauen, fühle mich stark mit meiner Intuition verbunden und erkenne klar und deutlich die Richtung und die nächsten Schritte. In anderen Situationen zeigt sich das Gegenteil, ich mache mich klein, fühle mich schwach, gebe die Verantwortung ab oder versuche zu fliehen.
„Angst ist immer ein schlechter Ratgeber“, hat mein Mann mir damals gesagt, kurz nachdem wir uns kennengelernt haben. Damals stand ich vor der Entscheidung meinen Beruf aufzugeben und damit loszulassen, was ich in vielen Jahren erarbeitet und aufgebaut hatte. Ich war nicht glücklich und wusste, dass es Zeit für Veränderung, einen anderen, neuen Weg war. Doch das Unbekannte macht mir Angst, die Ungewissheit, was sein würde, wie ich mein Leben finanzieren und leben würde. Es war ein Schritt ins Unbekannte. Zum Glück wagte ich ihn, denn sobald ich mich der Angst gestellt hatte, wurde sie kleiner… und kleiner… und mit der Zeit verschwand sie, denn ich sah, was für neue Möglichkeiten und schöne Erfahrungen dieser neue Weg mir – beruflich, aber auch an persönlicher Reife – brachte.
Für mich war immer klar, dass ich einmal Kinder haben möchte. Schon als Kind malte ich mir aus, wann ich Kinder haben würde. (Es hat dann ein paar Jahre länger gebraucht, als ich es als Kind ersonnen hatte, aber irgendwann Ende Zwanzig/ Anfang Dreißig drang sich mir das Thema so lauthals auf, dass ich den Ruf nicht mehr überhören konnte. Eigentlich würde ich rückblickend sagen, dass mein Körper und Geist mir schon ein Jahrzeht früher deutliche Zeichen dafür schickten, dass es in mir die große Sehnsuch gab Mutter zu werden und dass mein Körper bereit dafür war. Doch wie viele junge Frauen heutzutage, dachte ich erst an meine „Karriere“, wollte mein Studium abschließen und mich finanziell „absichern“ (…das war der Rat der Angst.))
Wenn ich früher an Schwangerschaft und Geburt dachte, fühlte ich Freude und Unsicherheiten zugleichen Teilen. Einerseits war ich schon immer tief fasziniert von dem Wunder, welches sich in uns vollzieht. Physisch betrachtet, diese zwei kleinen Zellen, aus denen so etwas großartiges wird. Später kam der Gedanke hinzu, dass es auch energetisch ein unglaubliches Wunder bedeutet, dass der Geist, der Gedanke das Bewusstsein für die Entstehung eines neuen Lebens schafft – dass ich dafür verantwortlich sein würde, dass mein Geist dies schaffen/schöpfen könnte. Andererseits beeindruckte und ängstigte mich der Gedanke, dass dieses Kind in mir heranreifen würde, ich also nicht mehr nur die Verantwortung für mich, sondern auch noch für ein weiteres Wesen haben sollte. Und schließlich, dass sich dieses Wesen durch mich – durch diese gefühlt so kleine Öffnung – in diese Welt geboren würden. Manchmal beobachtete ich dann meinen Geist und sah ihn die verschiedenen Wege (natürlich Gebären, Kaiserschnitt, mit oder ohne Schmerzmittel) abwägen. Ich erkannte, dass ich eigentlich am meisten Angst vor dem Schmerz hatte.
Doch was ist Schmerz? …nachdem ich damals aus meinem Beruf ausstieg, war ich ziemlich erschöpft. Ich hatte mich zu viele Jahre verausgabt und von meinem Weg weg bewegt. Das zehrte sehr an meinen Energiereservern. Eine Woche nach meinem Ausstieg besuchte ich die Ausbildung im Yin Yoga. Die Entscheidung dafür traf ich recht kurzfristig, es fühlte sich wie ein Zeichen an, dass ich auf die Ausschreibung stieß. Damit öffnete sich eine ganz neue Welt für mich. Und ich lernte, dass Schmerz letzlich nichts anderes als Verspannung, Verkrampfen, Abwenden, Verschließen ist. Ganz physisch betrachtet verspannt sich bei Schmerz etwas in uns, wodurch unser Gehirn Reize erhält, die es als Schmerz interpretiert. Es interpretiert sie als solchen, weil es im sogenannten Schmerzgedächtnis Erinnerungen als schmerzlich abgespeichert hat. Diese können aus der jüngeren oder älteren oder sehr weit zurückliegenden Vergangenheit (aus anderen Leben) stammen. Letztlich ist Schmerz also „nur“ ein Gefühl. Durch Yin Yoga habe ich gelernt Schmerz als etwas anzunehmen, dass mir etwas zeigen möchte, etwas aus meinem innersten Gefühlsleben preis gibt, ein Thema, dass unerlöst ist – und Yin Yoga hat mir außerdem die Möglichkeiten gezeigt, wie ich den Schmerz loslassen und in ein angenehmes Gefühl verwandeln kann.
Trotz des Gedankenkarussels, dass sich früher in mir zu drehen begann, wenn ich an Schwangerschaft und Geburt dachte, war für mich bereits lange vor der ersten Schwangerschaft ziemlich klar, dass ich Geburt nur alleine erleben möchte (mit meinem Mann und dem Kind, aber nicht in Begleitung von irgendeinem »fremden« Menschen). Wenn ich mich gefragt habe, wie ich mich vollkommen entspannen und loslassen kann, war für mich klar, dass ich das am besten allein, oder in Umgebung meines Mannes tun könnte. Wie beim Liebesspiel oder auf der Toilette auch, schätze ich Privatsphäre in diesen Situationen.
Lange habe ich mich nicht getraut mit irgendjemandem über meine Vorstellung von Geburt zu sprechen (außer jenen beiden, die schließlich auch dabei waren). Ich glaube, ich musste für mich selbst erst einmal ein tieferes Vertrauen und Einsicht in dieses Thema und meine Kraft gewinnen, weil ich mich nicht von der Unsicherheit anderer verunsichern lassen wollte. Also trug ich diese Gedanken eine Weile im Stillen mit mir herum, las dann und wann etwas darüber und machte meine Erfahrungen mit Yin Yoga. Wenn ich Yin Yoga praktizier(t)e, zeigten sich mir die (dahinterliegenden) verborgenen Themen am deutlichesten. Und durch die Ruhe dieser Yogapraxis konnte ich der Stille am besten lauschen. Ich vernahm, lernte und löste viele Ungewissheiten und Ängste, die ich in Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt hatte und auch, dass nicht alle Ängst meine eigenen waren. Da waren Ängste meiner Ahninnen und Ahnen, ebenso wie aus dem kollektiven Bewusstsein. Es gab viel anzuschauen und zu transformieren, doch ich wusste, dass ich als Frau auf diese Welt gekommen war und daher alles mitbrachte – körperlich und mental – was es brauchen würde. In dieser Hinsicht verstpürte ich von Anfang an ein großes und tiefes Vertrauen.
Nach der ersten Geburt wurde ich mutiger und habe mich immer häufiger über meine Erfahrung und meinen Weg ausgetauscht. Viele Leute fanden dies sehr mutig, andere stark. Für mich war es selbstverständlich und der natürlichste Weg. Mit der Zeit habe ich auch einige andere Mütter und Eltern kennengelernt, die die Geburten ihrer Kinder allein und selbstbestimmt vorbereitet und erlebt haben. Zu sehen, dass immer mehr Eltern diesen Weg wählen, finde ich wunderbar. Und es zeigt, wie ich finde, dass wir in einem großen Wandlungsprozess der Menschheit bereits viele Schritte voran gekommen sind.
Ich glaube, dass es eine der heilsamsten Erfahrungen ist, die wir als Menschen zu machen haben – jedes Kind, dass so natürlich wie möglich auf der Erde ankommen darf und jede Mutter, die das tiefe Vertrauen in sich selbst und die Natur der Geburt wiederfindet und erlebt stärkt das kollektive Feld und damit gehen wir wieder in unsere volle Kraft, unser ganzes Potenzial.
Ich werte keinen anderen Weg! Denn ich glaube fest, dass es für jede Mutter und jedes Kind den eigenen Weg zu gehen gibt; Dass jeder Weg die Erfahrung mit sich bringt, die für Mutter und Kind dran ist. Doch ich glaube auch, dass jeder Weg, bei dem wir die Verantwortung an jemand anderes abgeben – und das bezieht sich nicht nur auf Schwangerschaft und Geburt, sondern auf jede Handlung unseres Lebens – damit einhergeht, dass wir einen Teil unserer ursprünglichen Kraft, unseres Potenzials und unserer Schöpferkraft zurückweisen (und das diese Zurückweisung nicht wirklich unserer Natur entspricht).
Zurückweisung bedeutet einen Teil von sich zu verschließen. Und ich glaube, dass es eigentlich unserer Natur entspricht offen und weit zu sein, in der Liebe, im Vertrauen zu sein und anzunehmen, was ist und kommt. Verschlossen zu sein, in welcher Hinsicht auch immer, deutet meiner Meinung nach immer darauf hin, dass wir eine Verwundung, ein Thema in uns tragen, dessen Wurzel letztlich eine Form von Angst, fehlendem Vertrauen, fehlender Liebe ist.
Wir alle haben solche Wunden. Das ist das Ergebnis vieler gelebter Leben, vieler gemachter Erfahrungen und schließlich Teil der Erfahrung, die wir als Mensch auf dieser Erde machen. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man doch so schön. … Ja, ich denke schon. Denn das, was wir zur Zeit beobachten können, dass was wir im Außen und Innen seit vielen Jahren erleben, sind Heilungserfahrungen – individuelle und kollektive Heilung von tiefen Wunden, von der Entfremdung unseres Selbst und dem Gefühl uns getrennt von dem, was uns umgibt, was uns ausmacht und dem, was wir sind, zu fühlen.
Vertrauensvoll durch die Schwangerschaft und Geburt zu gehen entstand für mich damals aus dem Gefühl heraus, dass es meine Lernaufgabe sei, mich frei von meinen tiefsten Ängsten zu machen und stattdessen Vertrauen in mich Selbst und mein Kind aufzubauen. Kinder wissen, wie sie sich gebären. Und auch wir Frauen haben dieses Wissen. Denn wir sind als Frau auf die Erde gekommen, um zu gebären. Unsere Körper sind dafür gemacht.
Die Seele, die damals zu mir kommen wollte, war ganz klar in ihrem Wunsch an mich, ihr diesen Weg so vertrauensvoll und selbstermächtigt zu bereiten, wie ich es bis dahin schaffte. Ich spürte, dass ich überhaupt keine Angst zu haben brauche, dass alles »gut« gehen würde, also keine medizinischen Kontrollen oder Begleitung notwendig sein würde. Doch es gab immer mal wieder Anteile in mir, die aus dem Kopf heraus Projektionen hervorriefen.
Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Tag während der ersten Schwangerschaft: es war zu einer Zeit, in der ich die Bewegungen des Kindes schon recht deutlich spüren konnte. Es wird so um die 18. Woche herum gewesen sein. Doch an diesem Tag spürte ich einen ganzen Tag keine Bewegung. Ich wartete, horchte in mich hinein, doch fühlte sie nicht. Und merkte, dass der Kopf solch sorgenvolle Gedanken entwarf wie »was wenn das Kind nicht mehr lebt«, »was wäre dann«. Doch obwohl ich an diesem Tag eine Unsicherheit spürte, wusste ich auch, dass es Teil der Aufgabe war, zu beobachten und nicht überschnell zu handeln. Also beobachte ich meine Gedanken und Gefühle an diesem Tag. Und ich verstand und lernte unter anderem daraus, mitfühlender und verständnisvoller zu werden… für die Entscheidungen vieler Frauen sich von einem Arzt oder einer Hebamme begleiten zu lassen. Ja, an Tagen wie diesen, sogar beim Arzt anzurufen und um eine kurze Ultraschall- oder Herztonuntersuchung zu bitten, um die Gewissheit zurück zu erlangen, dass »alles in Ordnung« sei. Ich bin sehr dankbar für diesen Tag und die Erfahrungen, die ich in jenen Stunden erlebt habe, der Gelegenheit mich von einer Angst zu befreien. Am frühen Abend spürte ich dann endlich den lange ersehnten Tritt. Eine Ruhe breitete sich in mir aus. Das Vertrauen war wieder da. Und ich wusste, dass ich mich heute ganz wesentlich auf die Geburt vorbereitet hatte… indem die Stärke meines Vertrauens auf die Probe gestellt wurde und ich über eine meiner geglaubten Grenzen hinausgewachsen bin. …ich ahnte, dass ich während der Geburt auch an die Grenze meines Vertrauens kommen könnte. Und das Universum hat mir genau die Aufgabe geschickt, die mich darauf vorbereiten sollte.
Wie schon zum Abschluss meines Geburtsberichtes erwähnt, empfinde ich die zwei Geburten meiner Kinder als besondere und sehr heilsame Erfahrung. Die heilsame Erfahrung besteht für mich darin, dass die weibliche Urkraft ein weiteres Mal durch mich hindurch geflossen ist beziehungsweise durch mich hindurch gewirkt hat. Ich bin über meine Vorstellungskraft und damit über eine meiner geglaubten Grenzen hinaus gewachsen. Diese Urkraft, die es für uns Frauen wiederzufinden und in der zukünftigen Zeit zu leben gilt, bedeutet für mich das Bewusstsein Schöpferwesen zu sein – Geist über Materie. Geburt ist etwas vollkommen natürliches, etwas, dass seit Anbeginn aller Zeit von allen Lebewesen als leicht, sanft und in Einkehr erlebt wird. Wir Menschen dürfen uns nun wieder daran erinnern. Und wir Frauen dürfen nun wieder in unsere Kraft gehen und das Geschenk an das Leben (das ermöglichen von Leben, durch uns, durch unseren Körper) annehmen. Ich glaube darin steckt sehr viel Heilungspotenzial für unsere Erde, uns Menschen und das Gleichgewicht der Kräfte im Universum.