Zerfall und Neubeginn liegen ganz nah bei einander

Man könnte sogar sagen, sie sind ein und dasselbe – bloß unterschiedliche Ausprägungen auf einem Spektrum der Möglichkeiten. Ich stelle mir einen Kreis vor. Die beiden Extreme liegen direkt nebeneinander, während der Kreis durch die Vielfältigkeit der Erscheinungsformen entsteht.

Zerfall, Abschied und Tod sind für viele erst einmal mit Schwere, Traurigkeit, vielleicht auch Wut, Hilflosigkeit, Einsamkeit oder Frust verbunden.

Heute morgen am Frühstückstisch sprachen wir über die vielen gerodeten Felder, auf denen bis vor Kurzem noch Fichten in Reihe und Glied wuchsen. Der “Moneybaum”. Gepflanzt, um möglichst schnell Geld damit zu verdienen. Die Fichte ist hier, im Bergischen Land kein heimischer Baum. Er wurde hierher gebracht, weil er schnell wächst und der Ertrag lokrativ erscheint.  

Ich finde das ziemlich kurz – nicht ganzheitlich – gedacht. Denn soviel mehr hängt daran. 

Jedes Gewächs hat unterschiedliche Bedürfnisse und Energien. Genauso die Tiere, die in der entsprechenden Region leben. So finden zum Beispiel Rehe und andere Wildtiere in den Forsten hierzulande viel zu wenig Unterschlupf. Die kleinen Mischwaldinseln, die genug Unterholz für Schlafplätze und Schutzraum bieten, liegen hier häufig weit auseinander, so dass die Tiere ihren geschützen Raum verlassen müssen, um über Feld und Flur zum nächsten Dickicht zu hetzen, auf sehr freien und einsehbaren Flächen grasen (die zudem noch mit Hochständen gesäumt sind). 

Es ist auch nicht natürlich, dass alle Bäume im nahezu gleichen Abstand in Reihen stehen, gerade zwei Armlängen auseinander, damit der Wuchs möglichst lang, aber wenig buschig oder ausladend verläuft. Es ist eine Züchtung von Holz, die auf Ertrag und nicht auf den Erhalt oder gar die Förderung von Ursprünglichkeit ausgelegt ist. 

Auch die Bodenverhältnisse leiden darunter. Denn der Boden braucht tiefe Wurzeln, zur Drainage und als Lebensraum für kleine Erdbewohner, die unter anderem für die Nährstoffversorgen und eine gute Bodenbeschaffenheit sorgen. Dort wo die Wurzeln fehlen verdichtet der Boden stark, die Folge sind lehmige, nährstoffarme Boden. Und auch das Wasser dringt nicht mehr in die Tiefe, sondern läuft oberflächig ab. Die warmen Sommer sind nicht daran Schuld, dass die Natur dieses Jahr vertrocknete. Es ist die Staunässe, die nicht mehr in die Tiefe gelangt. Dadurch waren hier zulande viele Pflanzen mit Pilzen befallen. Die Wasserspeicher in den Tiefen der Erden sind stark strapaziert, teilweise schon leer gelaufen. 

Und warum wurden und werden gerade jetzt diese Fichten geerntet? …weil sie kurz davor sind keinen Ertrag mehr zu liefern und die „Besitzer“ (ein interessantes Konzept zu glauben sich Teile der Natur zu eigen machen zu dürfen…) nun noch versuchen den verbliebenen Wert abzuschöpfen.

Es heißt die Trockenheit und Hitze der Sommer hätten die Bäume ausgedörrt, so dass sie ihr schützendes Harz nicht mehr produzieren konnten. Erst dadurch konnte der Borkenkäfer so weit in sie eindringen und sich ausbreiten.  

Ich glaube wie gesagt nicht, dass es nur mit der Wärme zu tun hat, sondern dass das Ungleichgewicht im Boden einen sehr großen Beitrag dazu geleistet hat. Die Fichten konnten das zu Boden gefallene Regenwasser nicht in sich aufnehmen, weil es oberflächlich abgelaufen ist, gar nicht zu ihren Wurzeln dringen konnte.  

Und ein weiter bedeutender Faktor, der die Wasseraufnahme hemmt, sind die elektromagnetischen Felder, die die Struktur des Wassers so deformieren, dass es nicht mehr zellgängig und somit nicht bioverfügbar ist. Diese Störung des Wassers (egal ob in der Luft, den Wolken, im Erdreich oder aus der Leitung, ja sogar das Wasser, dass in unseren Körpern fließt) ist ein Grund, warum die Natur, ebenso wie wir Menschen, vertrocknet.  

Ja, auch wir Menschen befinden uns in einem ausgedörrten Zustand. Paradoxerweise haben die meisten Menschen unglaublich viel Feuchtigkeit, also Wasser in sich angesammelt. Doch es wird im Bindegewebe zusammen mit unverdauten Stoffwechselüberresten als so genannte Schlacke festgehalten. Dieses überschüssige Wasser befindet sich in den meisten Menschen. Und trotz dieses Feuchtigkeitsüberschusses vertrocknen wir an anderen Stellen. Das bedeutet im Körper, dass Organe und Gewebe unterversorgt werden und ihre eigentliche, natürliche Aufgabe nicht richtig ausführen können. Falten, Hautunreinheiten und Cellulite sind zum Beispiel eine sichtbare Folge davon. Aber auch die natürliche Reinigungskraft des Körpers, der natürliche und jedem Körper innewohnende Entgiftungs- und Ausleitungsprozess wird dadurch negativ beeinflusst. Denn wo Schlacken sind, ist die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser bereits gehemmt. Wasseransammlungen, Geschwüre und Stoffwechselstörungen sind sie Folge.  

Zurück zu den Bäumen:  

Was wir momentan in der Natur beobachten ist ein Massensterben bestimmter Bäume, die mit der Intention sich zu bereichern und die Natur dabei auszubeuten, angepflanzt wurden. Die Ideale dahinter sind jene, die wir wahrscheinlich alle selbst in dem ein oder anderen Ausmaß kennen: Macht, Gier und Materialismus. Alle diese Ideale entstehen aus einem Mangelbewusstsein (nicht genug von etwas – Geld, Macht, Güter – zu haben. Und dieses Mangelbewusstsein ist es, dass gerade eigentlich stirbt!   

Wie im Außen, so Innen.

Betrachten wir, was in der Welt und in uns geschieht, erkennen wir die Parallele. Alte Werte, destruktive Gedankenmuster und Glaubenssätze, alles was nicht harmonisch schwingt mit dem, was uns umgibt, zerfällt gerade.  

Die Transformation, in der wir uns befinden, vollzieht sich auf allen Ebenen. Eine Form wird transFORMiert, in eine neue Form verwandelt. Die Materie ist deutlich Träger als unser Geist. Deshalb dauert es eine Weile, bis die Verwandlung der Erde, der Welt, des Menschen, der Gedanken und der Gefühle abgeschlossen ist.  

Die Materie folgt dem Geist. Das ist ein universelles Gesetz. Und so ist der Tod der Bäume und der Zerfall der Forstflächen eine Ebene, auf die wir schauen können und von der wir lernen können:  

Denn was bedeuten Tod, Abschied und Zerfall?  

…Tod ist etwas, dass nur auf der Erde existiert. Denn hier machen wir die Erfahrung, des „entweder … oder …“. Wenn etwas oder jemand nicht mehr da ist, glauben wir, dass es oder er weg ist. Doch wahrhaftig wird die Materie auch dann nur transformiert. Der Körper verwest und zerfällt und die Moleküle werden recycled (es steckt ja schon im Wort: sie werden dem Kreislauf in anderer Form wieder hinzugefügt). Die Seele, der Geist, verlässt den physichen Körper und hat vielleicht keine erkennbare Form mehr, doch er existiert weiter. Und manchmal sucht er sich auch einen neuen Körper. 

Zerfall bedeut nicht nur Tod, sondern auch, dass etwas Neues entsteht.

Was zunächst eine Form hatte zerfällt und was bleibt ist eine Leere. Das ist auch schon etwas neues, ein neuer Raum. Damit etwas neues kommen kann, braucht es diese Zersetzung, diese Auflösung.  Wir können ein Gemälde übermalen, doch dann bleibt das Alte darunter bestehen. Vielleicht können wir die Konturen des Alten dann noch durchschimmern sehen oder die oberflächliche Farbe haftet nicht so gut und bröckelt wieder ab. …Deshalb male ich lieber auf einer leeren Leinwand oder einem leeren Blatt Papier. Auch, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass alte Farbreste sich nur mit viel Farbe, grellen Tönen und starken Kontrasten wirklich übermalen lassen. Als ich noch mit dicken Ölfarben malte war das leichter möglich. Doch inzwischen bevorzuge ich Aquarellfarben und sanftere, feinere Töne. Das Feine entspricht mir inzwischen mehr und fühlt sich für mich kongruenter an mit dem Geist der Zeit. (Nix gegen Ölkunst! Auch diese hat feine und wunderschöne Aspekte.)  

Der Vergleich ist nicht vollkommen… Was ich damit veranschaulichen möchte: etwas neues zu erschaffen braucht einen Raum. Und es erfordert, dass alte, hinderliche Aspekte losgelassen und aufgelöst werden, sonst besteht die Möglichkeit, dass das zuvor dagewesene auf die ein oder andere Weise zurück kommt.

Was ist das Alte?

Ich glaube, dass die Veränderungen der Erde und der Menschen, die wir zur Zeit beobachten, eine Wandlung hin zu feineren, feinstofflichen Energien ist. Alles im Universum schwingt in unterschiedlichen Frequenzen. Und wir bewegen uns zur Zeit von einer Erfahrung sehr verdichteter, sich zusammenziehender Energie, hin zu feinstofflicher, sich ausdehnender Energie. 

Die Qualitäten die diese unterschiedlichen Erfahrungen ermöglichen sind:

ein Leben im Glauben der Trennung, an ein Einzelbewusstsein, ein Denken und Fühlen, das sich um sich selbst dreht, 

statt einem Leben im Glauben an die ewige Verbindung, an ein kollektives, durchdringendes Bewusstsein und weniger denken und mehr mitfühlen, was IST.

Das Denken behindert unser Fühlen. Und so ist es, meiner Ansicht nach, auch Teil des Prozesses weniger mit dem Kopf zu denken und stattdessen mit dem Herzen zu fühlen (nicht dem physischen, sondern dem Zentrum unseres Seins – man könnte auch der Intuition, dem Bauchgefühl – sagen).

Wir kamen am Frühstückstisch überhaupt erst auf das Thema, weil unser Freund am Morgen einen Moment der Traurigkeit über das Loslassen und Fällen all dieser Bäume gefühlt hat und uns im Nachgang davon erzählte. Er saß am Morgen auf seiner Runde mit dem Hund auf einem Baumstumpf und spürte die Zerstörung, die Destruktion der Natur. …durch den Menschen.

Ich konnte sehr mit ihm fühlen. Denn ich selbst hatte diese Momente auch schon auf meinen Spaziergängen. Dort, wo ich letztes Jahr um die Bäume und durch die „Wälder“ striff (korrekterweise müsste es Forste heißen), finde ich heute eine verwüstete Landschaft teilweise abgerissener und liegengelassener Baumstümpfe wieder. Bachläufe, an denen ich vergangenes Jahr wunderschöne Formationen der Natur entdeckte, Zeit verbrachte und meine Füße darin kühlte, sind zugeschüttet mit zerfetzten Stämmen, Ästen und jeder Menge Nadelgrün. Und entlang ganzer Hänge lassen sich die Spuren der Monstermaschinen erkennen, die den Boden verdichtet haben. Das zu sehen hat mich traurig und wütend gemacht. Denn wer geht so mit der Natur um? …ich verstehe nicht, wie mensch so gewalttätig sein kann, nur um vermeitlich effizient zu werken.

“Gut Ding braucht Weile”, heißt es doch so schön. …ich finde diesen Satz im Hinblick auf die Natürlichkeit der Dinge, wie auch den Wandel, in dem wir uns befinden, sehr treffend.

Doch glücklicherweise blieb es nicht bei der schweren, traurigen und wütenden Sicht. Denn was ich trotz der Zerstörung und dem Schlachtfeld erkannt habe: diese Monsterautos haben Schneisen in den Wald gefahren, die sich nun, da die Natur ein wenig Zeit der Erholung hatte, als ganz neue Wege, diese Hänge zu erklimmen, begehen lassen. Der Bachlauf ist zwar teilweise verschwunden, doch eine ganz neue Landschaft tut sich auf. Neue Formen, neue Wege, neue Möglichkeiten. Und zu guter Letzt zeigten sich schon im selben Jahr, ganz neue Pflanzen. Denn auf dem früher schattigen „Wald“Boden, erwacht hier nun eine ganz neue Flora im Lichte.

Ist das nicht eine schöne Analogie zu dem, was wir in uns und in der Welt beobachten können?

Etwas neues gedeiht, weil etwas altes gewichen ist. Weil Licht dorthin dringt, wo früher Schatten war.  

Mutter Natur ist so unglaublich bestrebt immer wieder Leben und Lebendigkeit hervorzubringen. Sie trotzt aller Zerstörung und Gebiert immer wieder aufs Neue.  

Danke für diese Inspiration, Mutter Erde!

 

Namaste!

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