Ein körperliches oder psychisches Symptom (egal ob ein Verhaltensmuster, ein kleines Wehwehchen oder eine größere Erkrankung) ist immer ein Hinweis, eine Aufforderung, eine Botschaft unseres Geistes. Seine Sprache sind Gefühle und Empfindungen. Denn diese können wir wahrnehmen und beobachten.
Wenn der Körper zu uns spricht – und das tut er die ganze Zeit – haben wir die Chance ein ungeheiltes inneres Thema zu heilen. Damit dieser Heilungsprozess einsetzen kann, möchte das Symptom wahrgenommen, die Empfindung gefühlt und das dahinter liegende Thema gesehen, angenommen und an seiner Wurzel gelöst werden.
Symptome wahrnehmen & Themen erkennen
Häufig neigen wir dazu die Symptome auf körperlicher und geistiger Ebene nicht allzu ernst zu nehmen. Trotz Müdigkeit nehmen wir uns keine Pause, trotz Lustlosigkeit oder Erschöpfung halten wir daran fest, dass dies und jenes doch noch unbedingt erledigt werden muss, bevor wir Zeit für eine Auszeit haben. Oft glauben wir keine Wahl oder Alternative zu haben – sei es im Familiengeschehen, im Job oder in der Ausrichtung unserer Lebensprinzipien. Schmerz wird ausgehalten oder, statt seine Ursache zu ergründen, betäubt. Eine Tücke unseres heutigen Lebens ist es, dass wir Gefühlen, Schmerzen und anderen Dingen, die wir mit den Augen nicht sehen können, weniger Bedeutung beimessen oder als weniger wahr akzeptieren, als physisch greifbare Dinge. Doch selbst ganz offensichtliche und physisch beobachtbare Symptome, wie reduzierte körperliche Kraft und Flexibilität, eine Erkältung, eine verschobene oder entzündete Bandscheibe, ein schwacher Stoffwechsel, ein aus dem Gleichgewicht geratener Hormonhaushalt oder andere schwerwiegende Erkrankungen, ignorieren oder verharmlosen wir häufig.
Dabei wissen wir im Verborgenen meist bereits, dass wir uns nach einer Veränderung sehnen.
Unser Geist ist sehr klug: Wenn er sich auf einem Weg auszudrücken versucht und nicht angehört wird, sucht er sich einen neuen, meist deutlicheren Weg: aus dem Schnupfen wird eine Nebenhöhlenentzündung, aus dem anfänglichen hüsteln eine Bronchitis – mit Fieber und Gliederschmerzen – damit wir uns endlich die Ruhe nehmen, die wir uns längst nehmen sollten! Was zunächst als subtile Botschaft unseres Geistes gehört werden wollte „Ich brauche mal einen freien Abend, um all die Eindrücke und Anforderungen der letzten Wochen zu verarbeiten“, winkt er nun deutlicher mit dem Zaunpfahl „Nimm dir endlich Ruhe, ich kann nicht mehr!“
Im Kontakt von Körper & Geist spüren wir unser wahres Potenzial
Unser Geist spricht ständig durch unseren Körper zu uns
Im Alltag nehmen wir das häufig nicht wahr, weil unsere Aufmerksamkeit auf anderes gerichtet ist. Yoga ist ein Zustand, bei dem Körper, Geist und Seele miteinander verbunden sind. Dies ist unser natürlicher Zustand. In diesem Zustand verschwinden die Schleier und Trübungen unseres Bewusstseins und sehen wir klar und aus einer höheren Perspektive, was uns bewegt. Wir nehmen wahr was gerade in uns los ist, welche Gefühle und Empfindungen in uns aufkommen. Achtsam und Wertschätzend mit sich Selbst umzugehen bedeutet wertfrei anzunehmen, was ist. Es ist ein Annehmen und Akzeptieren unseres momentanen Zustandes und von uns Selbst, damit wir erkennen können, wo wir stehen. Von hier aus können wir weitergehen. So erkennen wir, dass wir viele Möglichkeiten der Veränderung haben. Im Yoga üben wir eine achtsame und liebevolle Haltung zu uns Selbst und unserem Körper einzunehmen. Auf diese Weise kommen wir wieder in Kontakt mit unserem ursprünglichen Kern – unserer Essenz. Im Zustand von Yoga erkennen wir uns als Schöpfer und Schöpferinnen unserer Realität. Wenn Körper, Geist & Seele verschmelzen spüren wir die Verbundenheit, die Einheit aller Dinge. Dann spüren wir, dass unser wahres Selbst über alle Möglichkeiten der Entfaltung, über alle Stärken und Kräfte, alle Entschlossenheit und Kreativität verfügt und dass wir frei darin sind unser Leben so gestalten können, wie wir es wollen.
Unsere Faszien wollen bewegt und berührt werden, so wie unsere Gefühle angeschaut und angenommen werden wollen
Verklebungen und Risse im Bindegewebe haben eine tieferliegende Ursache. Was lässt uns innerlich verspannen? Was können wir nur schwerlich loslassen? Wo fehlt es uns an Halt und Stabilität?
Die Arbeit mit den Faszien ist eine Möglichkeit um diesen Zustand der geistigen Ruhe und Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele (Yoga) zu erlangen. Indem wir unsere Aufmerksamkeit ganz auf einen Körperbereich ausrichten, zum Beispiel einen, der uns Schwierigkeiten bereitet, schaffen wir einen Raum, in dem sich uns Zusammenhänge dieser Körperregion (seines Erscheinungsbildes, der Symptome, unserer Haltung oder unseres Ganges) in einem größeren Kontext zeigen. So können wir Lebens-, Glaubens- und Verhaltensmuster erkennen und tiefe Gefühle erleben. Die Arbeit mit den Faszien ermöglicht Wahrnehmung, Verständnis, Erkenntnis und Heilung ungelöster innerer Themen.
An die Wurzel eines Themas zu gelangen ist meist ein Prozess. Häufig bedarf es mehrere Schritte, manchmal auch viel Zeit und Geduld, um die Größe und Tiefe einer Thematik zu erkennen. Es ist ein Prozess der e n t – w i c k (e) l u n g . Schicht für Schicht entwickeln wir uns aus den Strängen und Schleiern, in denen wir uns im Laufe der Zeit (manchmal über viele Leben hinweg) verwickelt haben. So gelangen wir allmählich immer tiefer und schließlich an die Wurzel eines Themas. Wirkliche Heilung entsteht, wenn ein Thema im Keim gelöst und losgelassen wird. Das spüren wir dann auch an den Faszien, wenn diese wieder gelöst sind und die Energie darin frei und ungehindert fließt.